Der Geschichtenanfang der Woche: Sandra hat einen neuen Freund.

Sandra fühlte sich einfach nicht wohl: Sie war fremd in der Stadt, sie kannte nur wenige der Kinder, und richtige Freunde hatte sie schon gar nicht. Und nun musste sie auch noch durch die Eingangstür der Schule, wo sich bereits ein Pulk an Mädchen um die coole Anführerin geschart hatte und sie misstrauisch beäugte. Sandra nahm all ihren Mut zusammen, straffte die Schultern und sagte: „Morgen. Sagt Hallo zu meinem neuen Freund!“ Die anderen Schülerinnen sahen sie nur fragend an, blickten an ihr vorbei und suchten die nähere Umgebung ab. „Hä? Wer?“, fragte schließlich eine.

Was denkt Ihr – wer könnte der neue Freund von Sandra sein?

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Foto: CCO, © Tom Barrett / unsplash

Hier fehlt ein Buch. Oder eine Geschichte.

Zumindest hier, wo die Beiträge für den Geschichtenplanet entstehen, waren die letzten Tage ganz unangenehm grau in grau. Eben so richtiges Lesewetter! Und sicher kennt Ihr das auch:

  • Man sitzt auf der Couch, starrt durchs Fenster in den Regen und wünscht sich, man hätte ein schönes Buch.
  • Man wartet auf den Bus, die Tram oder U-Bahn und wünscht sich, eine gute Geschichte würde die Wartezeit verkürzen.
  • Man möchte nicht schon wieder in die Glotze starren und wünscht sich, ein richtig fesselnder Krimi wäre zur Hand.

Diese und noch viele andere Szenen unter dem Motto „Hier fehlt ein Buch!“ findet Ihr bei Instagram unter dem Hashtag #hierfehlteinbuch. Wir wünschen viel Spaß beim Schmökern!

… ach ja: Nicht immer braucht’s ein Buch, um gut unterhalten zu werden. Denn gute Geschichten schreibt nicht nur das Leben, sondern auch Eure Phantasie!

Wie Ihr Eure Geschichtenerfindefähigkeiten ausbauen könnt, steht in unserem Buch „Last uns eine Geschichte erfinden“. Hier geht’s zur kostenlosen Leseprobe:

https://geschichten-planet.de/2017/08/29/lasst-uns-eine-geschichte-erfinden-leseprobe/

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Von Frauenrollen und Mannsbildern

100 Jahre Frauenwahlrecht: Für Viele ein guter Grund, einen Blick auf die Situation der Frauen in unserer (und anderen) Gesellschaften zu werfen. Und sich die Frage zu stellen: Klappt das mit der Gleichberechtigung? Und wenn nicht – warum nicht?

Nun ist der Geschichten-Planet nicht unbedingt der Platz für große gesellschaftliche Diskussionen – aber wir wissen natürlich auch um die Auswirkungen, die Geschichtenerzählen auf die Phantasie, die Entwicklung und Persönlichkeit haben kann.

Ich glaube: Auch mit der Art und Weise, wie Geschichten erzählt werden, kann man schon früh Verhaltensmuster etablieren. Muss denn immer der tatenkräftige Prinz die heiratswütige Prinzessin retten? Und wo bleibt Feuerwehrfrau Samantha? Durch die Besetzung bekommt eine Geschichte eben immer auch eine Aussage, wer welche Rolle spielt – und wie gut er oder sie diese ausfüllt.

Damit wir uns richtig verstehen: Mir kommt es nicht auf einen kompletten Rollentausch an, sondern auf eine gleichberechtigte Ausgangsbasis. Es geht nicht darum, dass die Mädchen in Geschichten plötzlich männliche Stereotype erfüllen müssen – und umgekehrt. Es kommt einfach darauf, dass alle mal dran sind: beim Abenteuer erleben, beim schlau sein oder auch beim passiv bleiben.

Wichtig ist, individuell auf die Zuhörer einzugehen: Wenn ein Mädchen gerade auf dem Prinzessinnen-Trip ist, möchte es keine Geschichte von einer Automechanikerin hören. Aber sicher eine von einer starken, vorbildhaften Königstochter. Und wenn ein Junge gerade Puppen spannender als Autos findet, bekommt er keinen Zugang zu einer Rennfahrer-Geschichte, hat aber vielleicht Lust auf eine Erzählung, in der Puppen die Hauptrolle spielen.

Und nächste Woche ist die kindliche Erlebniswelt ohnehin ein ganz andere.

Geschichten sind Vorbereitungen fürs Leben. Und je mehr Möglichkeiten Sie Ihren Kindern in Geschichten aufzeigen, umso mehr Chancen werden sie für ihr eigenes erfülltes Leben ohne Geschlechter-Klischees finden.

Foto: CCO, © Sandy Millar / unsplash

Der Geschichtenanfang der Woche: Oma macht Rabatz

Eigentlich hatte Karim seine Oma immer nur als sanftmütige, gütige Frau gekannt. Aber als er dabei war, wie sie einen Brief aus dem Postkasten holte, ihn mit zitternder Hand aufmachte und ihr schließlich Tränen aus den Augen kullerten, während ihre Lippen bebten, ahnte er schon, dass dieser Tag nicht wie all die anderen sein würde, die er in diesem Sommer bei Oma verbrachte.

Ungläubig staunend, wie viel Energie (und auch Zorn) in der alten Dame steckte, sah er ihr nach, wie sie zur Garage stapfte, ihre klappriges Auto halsbrecherisch aus der Einfahrt steuerte und – deutlich langsamer – nach einer Stunde wiederkam. Sie hatte sich gewandelt: Statt böse dreinzuschauen, hatte sie ein richtiges Siegerlächeln aufgesetzt.

Was denkt ihr – was hat Oma unternommen und was könnte in dem Brief gestanden haben?

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Der Geschichtenanfang der Woche: Peter findet was raus

O Mann, Chemie! Peter war gar nicht begeistert, als er in den Chemiesaal der Schule schlurfte. Formeln und Gleichungen, Moleküle und Tabellen … er konnte mit diesem Zeug einfach nichts anfangen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass er nicht erkennen konnte, was ihm das mal bringen sollte … Schließlich wollte er einmal Chefkoch werden – und kein Chemiker.

Zu seiner Überraschung eröffnete die Chemielehrerin heute den Schülern: „Kinder, wir machen diesmal ein paar Versuche …“ Nach Ende der Doppelstunde konnte man sehen, wie Peter gutgelaunt und vor sich hinpfeifend den Schulflur entlanghüpfte …

Was denkt Ihr – wieso hat Peter seine Meinung zu Chemie geändert?

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Foro: CC0, © Martin Lopez / Pexels

Die Haltung macht’s

Eine Geschichte lebt von Spannung, vom Überraschungsmoment und von Steigerungen. Davon wird erzählt. Doch das muss ja auch irgendwie rüberkommen. Wenn Ihr eine Geschichte erzählt, sollen die Zuhörenden mitfiebern, mitdenken, sich fesseln lassen und mitfühlen.

Das gelingt Erzählenden, wenn sie mit der Geschichte „mitgehen“. Dabei spielt die Körperhaltung beim packenden Erzählen eine wichtige Rolle. Denn wenn es gerade so richtig spannend ist, und der Erzähler oder die Erzählerin hängen irgendwie schlaff auf der Couch, bleibt vom Nervenkitzel nicht viel übrig. Also: Ein bisschen Spannung bitte! Und zwar nicht nur in durch passende Worte, sondern eben auch im Körper.

Durch unsere Gestik, Mimik und Körpersprache erzählen wir mit. Körperspannung, ein gespannter Gesichtsausdruck und weit aufgerissene Augen erzählen bei aufregenden Passagen mehr als Worte. So ist Euch die Aufmerksamkeit der Zuhörenden sicher!

Beitragsbild: CC0, © Myriams-Fotos / Pixabay

Der Geschichtenanfang der Woche: Olga ist auf sich gestellt

Olga saß im Wohnzimmersessel und schlenkerte ihre Beine hin und her. Ihr Papa ging vor ihr in die Hocke und hatte seinen „Pass mal auf, gleich kommt was Wichtiges“-Blick aufgesetzt. Und tatsächlich begann er mit „Pass auf, Olga, das ist jetzt wirklich wichtig“. Weiter sagte er: „Du weißt, dass wir das mit dem allein zuhause bleiben schon lange besprochen und geübt haben. Heute ist es soweit, weil ich noch was im Büro vergessen habe.“ Olga jauchzte innerlich: „Hurra! Endlich sturmfrei!“, aber sie nickte nur mit ernster Miene.

Ihr Vater fuhr fort: „Ich bin etwa eine Stunde weg. Du weißt, was Du machen darfst und was nicht. Essen und Trinken sind in der Küche. Weißt Du noch, was wir ausgemacht haben?“ – Olga nickte, und ihr Vater wuschelte ihr durch die Haare – was sie eigentlich gar nicht so sehr mochte. „Also gut. Dann bis später. “ Sie verabschiedeten sich, und kurz darauf hörte sie, wie die Tür ins Schloss fiel. Begeistert sprang Olga auf.

Was denkt Ihr – was wird Olga machen, während ihr Papa weg ist?

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Eine Geschichte in 60 Wörtern

Ein indianisches Sprichwort sagt: „Sprich von Herzen und fasse dich kurz.“ Klar, damit ist gemeint, dass Plaudertaschen doch auch mal die Luft anhalten und andere zu Wort kommen lassen sollten. Oder sich eben auf den Kern der Sache zu konzentrieren und nicht so viel um den heißen Brei herum zu reden.

Und auch eine Geschichte lässt sich ganz nach diesem Motto erzählen. Mit wenigen Wörtern das sagen, was erzählt werden soll. Wir vom Geschichten-Planet haben es versucht. Hier kommt unser Ergebnis. Die Geschichte eines Familienausflugs, erzählt in 60 Wörtern:

Drei Taschen – zwei mit Proviant.
Erster Stopp: Tankstelle!
Zweiter Stopp: Stau.
„Wann sind wir da?“

Nach einer Stunde: Juhu, ein Parkplatz!
Kassenhäuschen: Erste Schlange.
Im Terrarium: zweite bis fünfte Schlange.
Vor dem Toilettenhäuschen: sechste Schlange.
Sonnencreme vergessen.
Schattenplatz ergattert.

Dann 20 Gehege in 30 Minuten.
Eis für alle? Siebte Schlange.
Heimfahrt: Herrliche Ruhe – Kinder schlafen.
Was für ein toller Familienausflug!

Jetzt seid Ihr an der Reihe! Versucht, eine Geschichte mit so wenig Wörtern wie möglich zu erfinden. Trotzdem soll die Geschichte Sinn ergeben. Wir wünschen Euch viel Spaß dabei!

Beitragsbild: CCO, © / Alexas_Fotos pixabay

Der Geschichtenanfang der Woche: Willi ist stärker als seine Furcht

Willi sah sich um: Die Bäume hier waren uralt. Es knarzte und wisperte, wenn der Wind durch die Baumkronen fuhr. Willi fröstelte. Aber er wusste, dass er den Weg genau durch diesen Wald nehmen musste, um schneller bei seinem Freund zu sein. Und er hatte natürlich vorher mit seinen Eltern geredet – für sie war die Abkürzung in Ordnung. Sie führte auch nicht wirklich tief in den Wald hinein, aber Willi war dieser Teil des Stadtwaldes schon immer ziemlich unheimlich gewesen. Da hatte er eine Idee, wie er seine Furcht besiegen – und trotzdem vorsichtig bleiben konnte.

Was denkt Ihr – wie gewinnt Willi Mut?

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Foto: CC0, © Stefan Steinbauer / unsplash

Sieben Dinge, die beim Geschichtenerfinden helfen

Geschichten zu erfinden macht Spaß! Doch nicht immer liegt die passende Idee direkt vor Euren Füßen. Wenn Ihr in Gedanken gerade mit dem Ärger im Büro, der kniffligen Matheaufgabe aus den Hausaufgaben oder der Planung des nächsten Großelternbesuchs beschäftigt seid, hat Euer Gehirn gerade keine Kapazitäten mehr für aufregende, lustige oder originelle Geschichten.

Damit die Fantasie wieder Platz bekommt, helfen Dir sieben Dinge:

1. Guck Löcher in die Luft!
Hilft wirklich! Wir müssen schließlich auch mal nichts tun. Dann kann unser Geist wieder zur Ruhe kommen. Und Einfälle flattern ganz von selbst wieder in unseren Kopf.

2. Geh mal eine Runde um den Block
Beim Bewegen kann unser Denken mal ein bisschen Pause machen. Denn unser Körper hat dann noch was anderes zu tun. Viele gute Ideen entstehen beim Gehen.

3. Mal eine liegende Acht in die Luft
Die liegende Acht soll unsere beiden Gehirnhälften wieder miteinander verbinden. So tauchen plötzlich Bilder auf, und die passenden Worte zu den Bildern formulieren sich ganz von selbst.

4. Sag laut: „Stopp!“
Wenn gar nichts hilft, um das Gedankenkarussell anzuhalten: einfach mal „Stopp!“ sagen. Und zwar laut und deutlich. Vielleicht müssen wir eben auch mal von uns selbst hören, dass die Grüblerei genug ist. Und dass es wieder Zeit ist, sich schönen Gedanken zuzuwenden.

5. Kritzle ein Blockblatt voll
Kritzeln kann Spannungen lösen. Denn so wird der Bewegungsdrang, der durch Stress entsteht, zumindest ein bisschen befriedigt. Kritzeln hilft uns übrigens nicht nur dabei, Stress abzubauen und wieder Kapazitäten für Kreativität zu haben. Auch bei herausfordernden Telefonaten bringt uns Gekritzel leichter ins Gleichgewicht.

6. Schneide Grimassen
Kein Witz! Durch Muskelkontraktionen im Gesicht stimulieren wir wichtige Punkte, die an unser Gehirn melden: Alles gut! Und mit guter Laune haben wir häufig auch kreative Einfälle.

7. Schreib drei Minuten lang alle Deine Gedanken auf, ohne dabei abzusetzen
Erst denken, dann reden (bzw. schreiben) gilt hier mal nicht. Während Du sozusagen in einem Rutsch durchschreibst, denkst du gleichzeitig. Und dadurch hältst Du Deine spontanen Gedanken schriftlich fest. Lies Dir nach den drei Minuten durch, welche Gedanken Du so spontan niedergeschrieben hast. Vielleicht ist ja schon DIE Idee für Deine nächste Geschichte dabei.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Geschichtenerfinden wünschen Euch Petra und Michael vom Geschichten-Planet!

Beitragsbild: CC0, © Jery Kiesewetter / unsplash