Geschichten, die man vielleicht vergisst. Oder auch nicht.

„Eine unvergessliche Geschichte!“ Was den allermeisten als Zeichen der Begeisterung ganz leicht über die Lippen kommt, führt bei Angehörigen von Demenzkranken eher zu einem Kloß im Hals. Denn sie wissen: Vieles von dem, was sie sagen und erzählen, ist bei den Erkrankten nur zu schnell wieder im Strudel des Vergessens verloren.

Petra vom Geschichten-Planet hat mehrere Bücher zu dem Thema verfasst, und alle enthalten Vorlesegeschichten, die den Anforderungen von Demenzkranken gerecht werden. Sie sind nicht länger als 5 Minuten, ihr Inhalt ist leicht begreifbar, und sie sind so strukturiert, dass sie den Vorlesern einen Zugang zu den Erkrankten ermöglichen bzw. verbessern können.

Weil Geschichtenerzählen und -vorlesen gerade zur Weihnachtszeit eine besonders schöne Tradition ist, die Erinnerungen wach werden lässt, gibt es auch einen Band speziell zur Weihnachtszeit.

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Foto CC0, © stevepb / pixabay

Der Geschichtenanfang der Woche: Jasmin fehlt

„Wo ist denn Jasmin?“, fragte eine der Freundinnen, die sich am Schlittenberg zu einer großen Schneeballschlacht getroffen hatten. Oder zum Schneemannbauen oder zum Rodeln, das wussten sie noch nicht so genau. „Die ist krank“, sagte eine andere. Und eine dritte: „Och menno, dabei ist sie die beste Schneeballwerferin überhaupt! Ohne sie macht’s einfach keinen Spaß.“ Die anderen nickten betrübt, als ein Mädchen ausrief: „Hey! Ich hab‘ eine Idee!“

Was denkt ihr – was lassen sich die Mädchen einfallen, damit es ein schöner Wintertag für sie – und für Jasmin – wird?

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Der Geschichtenanfang der Woche: Paulina reist … in ihre Phantasie

Paulina war enttäuscht: Zu gerne wäre sie heute mit ihren Eltern in den Freizeitpark gefahren. Aber das Wetter war einfach zu schlecht für einen solchen Ausflug. Das sah Paulina auch ein – und trotzdem war sie ganz schön schlecht gelaunt. „Na, wenn wir nicht wegfahren können, dann mach doch einfach eine Reise in deine Phantasie!“, schlug ihr Vater vor.
„Wohin?“, fragte Paulina und sah ihn mit großen Augen an. „Und überhaupt – wie soll das gehen?“

Was denkt Ihr – gelingt Paulina die Reise in ihre Phantasie? Und was könnte sie da Freizeitpark-mäßig so erleben?

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Der Geschichtenanfang der Woche: Florian ist nass

Platsch! Das war ja irgendwie klar. Von oben bis unten war Florian nass, und er hatte es kommen gesehen. Ein ganz unangenehmes Gefühl war das, als das Wasser seine Kleidung durchdrang und der Stoff an der Haut klebte. Noch schlimmer war, dass es jetzt einfach zu kalt für solche Späße war – und am allerschlimmsten, dass seine Mama ihn genau davor gewarnt hatte. Aber es half nichts: Er musste so schnell wie möglich nach Hause und seiner Mutter beichten, was passiert war.

Was denkt Ihr – was hat Florian wohl angestellt?

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Dann heul doch!

Wenn Geschichten zu Tränen rühren – warum denen dann nicht freien Lauf lassen? Das ist unsere Meinung. Denn wenn eine erfundene Geschichten mal so richtig traurige Passagen hat, dann muss das auch irgendwie gezeigt werden. Beim Geschichtenerzählen sollte es also sein wie bei einem ergreifenden Kinofilm: Taschentücher raus und einfach mitleiden. Das gilt übrigens für Erzähler, Erzählerinnen und auch für die Zuhörenden.

Klar sollte eine erfundene Geschichte für Kinder dann am Ende gut ausgehen. Oder zumindest Zuversicht vermitteln. Aber nicht jede Geschichte muss immer ein Schenkelklopfer sein. Oder ein superspannendes Megaabenteuer. Auch traurige Geschichten müssen manchmal erzählt werden. Wenn Geschichtenerzähler und Zuhörende übrigens bei Geschichten weinen, hat das durchaus eine entlastende Komponente. Weinen zuzulassen ist nämlich ein echter Trost.

Natürlich müssen erwachsene Erzähler und Erzählerinnen ein Auge darauf haben, ob ihre jungen Zuhörenden während oder nach einer traurigen Geschichte noch Unterstützung brauchen, um sich wieder zu regulieren. Kuscheln hilft hier auf alle Fälle. Traut euch also ruhig auch mal an eine traurige Geschichte heran.

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Von Frauenrollen und Mannsbildern

100 Jahre Frauenwahlrecht: Für Viele ein guter Grund, einen Blick auf die Situation der Frauen in unserer (und anderen) Gesellschaften zu werfen. Und sich die Frage zu stellen: Klappt das mit der Gleichberechtigung? Und wenn nicht – warum nicht?

Nun ist der Geschichten-Planet nicht unbedingt der Platz für große gesellschaftliche Diskussionen – aber wir wissen natürlich auch um die Auswirkungen, die Geschichtenerzählen auf die Phantasie, die Entwicklung und Persönlichkeit haben kann.

Ich glaube: Auch mit der Art und Weise, wie Geschichten erzählt werden, kann man schon früh Verhaltensmuster etablieren. Muss denn immer der tatenkräftige Prinz die heiratswütige Prinzessin retten? Und wo bleibt Feuerwehrfrau Samantha? Durch die Besetzung bekommt eine Geschichte eben immer auch eine Aussage, wer welche Rolle spielt – und wie gut er oder sie diese ausfüllt.

Damit wir uns richtig verstehen: Mir kommt es nicht auf einen kompletten Rollentausch an, sondern auf eine gleichberechtigte Ausgangsbasis. Es geht nicht darum, dass die Mädchen in Geschichten plötzlich männliche Stereotype erfüllen müssen – und umgekehrt. Es kommt einfach darauf, dass alle mal dran sind: beim Abenteuer erleben, beim schlau sein oder auch beim passiv bleiben.

Wichtig ist, individuell auf die Zuhörer einzugehen: Wenn ein Mädchen gerade auf dem Prinzessinnen-Trip ist, möchte es keine Geschichte von einer Automechanikerin hören. Aber sicher eine von einer starken, vorbildhaften Königstochter. Und wenn ein Junge gerade Puppen spannender als Autos findet, bekommt er keinen Zugang zu einer Rennfahrer-Geschichte, hat aber vielleicht Lust auf eine Erzählung, in der Puppen die Hauptrolle spielen.

Und nächste Woche ist die kindliche Erlebniswelt ohnehin ein ganz andere.

Geschichten sind Vorbereitungen fürs Leben. Und je mehr Möglichkeiten Sie Ihren Kindern in Geschichten aufzeigen, umso mehr Chancen werden sie für ihr eigenes erfülltes Leben ohne Geschlechter-Klischees finden.

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Wir wünschen Euch einen wunderbaren Herbst!

Da sind wir wieder …

In den letzten Wochen gab es nicht viel auf Geschichten-Planet zu lesen. Das ist auch vielleicht gar nicht so schlecht, schließlich bot der Sommer zahllose Gelegenheiten, um selbst tolle Geschichten zu erleben statt sie zu lesen oder erzählt zu bekommen …

Für uns von Geschichten-Planet ist auch dieses Projekt eine einzige großartige Geschichte, und so freuen wir uns schon darauf, mit dem fortschreitenden Herbst wieder aktiver zu werden und mehr für Euch schreiben zu dürfen!

Bis bald also,

Petra und Michael von Geschichten-Planet

Der Geschichtenanfang der Woche: Oma macht Rabatz

Eigentlich hatte Karim seine Oma immer nur als sanftmütige, gütige Frau gekannt. Aber als er dabei war, wie sie einen Brief aus dem Postkasten holte, ihn mit zitternder Hand aufmachte und ihr schließlich Tränen aus den Augen kullerten, während ihre Lippen bebten, ahnte er schon, dass dieser Tag nicht wie all die anderen sein würde, die er in diesem Sommer bei Oma verbrachte.

Ungläubig staunend, wie viel Energie (und auch Zorn) in der alten Dame steckte, sah er ihr nach, wie sie zur Garage stapfte, ihre klappriges Auto halsbrecherisch aus der Einfahrt steuerte und – deutlich langsamer – nach einer Stunde wiederkam. Sie hatte sich gewandelt: Statt böse dreinzuschauen, hatte sie ein richtiges Siegerlächeln aufgesetzt.

Was denkt ihr – was hat Oma unternommen und was könnte in dem Brief gestanden haben?

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Foto: CCO, © Free-Photos / pixabay

„Anpfiff mit Hindernissen“

Petra stellt den Titel „Anpfiff mit Hindernissen“ von Martin Klein vor; illustriert von Markus Spang, erschienen bei FISCHER Duden Leseprofi (für Klasse 1):

Gleich vorab: Ich bin von diesem Erstleser*innen-Buch begeistert. Denn der Autor Martin Klein nimmt seine jungen Leser ernst. Und es ist ihm gelungen, mit wenig Text eine witzige, schnelle und authentische Geschichte zu schreiben, die junge Sportfans mitreißt.

Wie der Titel schon verspricht, geht es natürlich um Fußball. Die Hauptperson der Geschichte ist Matti, der es kaum erwarten kann, zu seinem ersten Auswärtsspiel aufzubrechen.

Das gab es für Matti noch nie. Kicken in einer anderen Stadt!

Doch dann werden er und seine Mannschaft mit so vielen Hindernissen konfrontiert, dass nicht klar ist, ob sie wirklich antreten können.

Natürlich geht die Geschichte gut aus. Gleichzeitig kommen Fußballbegeisterte voll auf ihre Kosten. Denn der Autor benutzt den gängigen Fußball-Jargon – und trotzdem ist die Geschichte für Leseanfänger*innen problemlos lesbar.

Für mich ist das Buch ein herausragendes Beispiel dafür, dass Erstlesebücher nicht langweilig oder gespickt mit dem „erhobenen pädagogischen Zeigefinger“ sein müssen, sondern spritzig, ereignisreich und fesselnd sein können. Tolles Buch!

Martin Klein: Anpfiff mit Hindernissen. FISCHER Duden Leseprofi 2018, 7,99 EUR

Das Rezensions-Exemplar wurde freundlicherweise vom Verlag FISCHER Duden zur Verfügung gestellt.

beitragsfoto: CC0, © Christian Widell / unsplash
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Der Geschichtenanfang der Woche: Peter findet was raus

O Mann, Chemie! Peter war gar nicht begeistert, als er in den Chemiesaal der Schule schlurfte. Formeln und Gleichungen, Moleküle und Tabellen … er konnte mit diesem Zeug einfach nichts anfangen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass er nicht erkennen konnte, was ihm das mal bringen sollte … Schließlich wollte er einmal Chefkoch werden – und kein Chemiker.

Zu seiner Überraschung eröffnete die Chemielehrerin heute den Schülern: „Kinder, wir machen diesmal ein paar Versuche …“ Nach Ende der Doppelstunde konnte man sehen, wie Peter gutgelaunt und vor sich hinpfeifend den Schulflur entlanghüpfte …

Was denkt Ihr – wieso hat Peter seine Meinung zu Chemie geändert?

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Foro: CC0, © Martin Lopez / Pexels