Dann heul doch!

Wenn Geschichten zu Tränen rühren – warum denen dann nicht freien Lauf lassen? Das ist unsere Meinung. Denn wenn eine erfundene Geschichten mal so richtig traurige Passagen hat, dann muss das auch irgendwie gezeigt werden. Beim Geschichtenerzählen sollte es also sein wie bei einem ergreifenden Kinofilm: Taschentücher raus und einfach mitleiden. Das gilt übrigens für Erzähler, Erzählerinnen und auch für die Zuhörenden.

Klar sollte eine erfundene Geschichte für Kinder dann am Ende gut ausgehen. Oder zumindest Zuversicht vermitteln. Aber nicht jede Geschichte muss immer ein Schenkelklopfer sein. Oder ein superspannendes Megaabenteuer. Auch traurige Geschichten müssen manchmal erzählt werden. Wenn Geschichtenerzähler und Zuhörende übrigens bei Geschichten weinen, hat das durchaus eine entlastende Komponente. Weinen zuzulassen ist nämlich ein echter Trost.

Natürlich müssen erwachsene Erzähler und Erzählerinnen ein Auge darauf haben, ob ihre jungen Zuhörenden während oder nach einer traurigen Geschichte noch Unterstützung brauchen, um sich wieder zu regulieren. Kuscheln hilft hier auf alle Fälle. Traut euch also ruhig auch mal an eine traurige Geschichte heran.

Foto: CC0, © Aliyah Jamous / unsplash

Von Frauenrollen und Mannsbildern

100 Jahre Frauenwahlrecht: Für Viele ein guter Grund, einen Blick auf die Situation der Frauen in unserer (und anderen) Gesellschaften zu werfen. Und sich die Frage zu stellen: Klappt das mit der Gleichberechtigung? Und wenn nicht – warum nicht?

Nun ist der Geschichten-Planet nicht unbedingt der Platz für große gesellschaftliche Diskussionen – aber wir wissen natürlich auch um die Auswirkungen, die Geschichtenerzählen auf die Phantasie, die Entwicklung und Persönlichkeit haben kann.

Ich glaube: Auch mit der Art und Weise, wie Geschichten erzählt werden, kann man schon früh Verhaltensmuster etablieren. Muss denn immer der tatenkräftige Prinz die heiratswütige Prinzessin retten? Und wo bleibt Feuerwehrfrau Samantha? Durch die Besetzung bekommt eine Geschichte eben immer auch eine Aussage, wer welche Rolle spielt – und wie gut er oder sie diese ausfüllt.

Damit wir uns richtig verstehen: Mir kommt es nicht auf einen kompletten Rollentausch an, sondern auf eine gleichberechtigte Ausgangsbasis. Es geht nicht darum, dass die Mädchen in Geschichten plötzlich männliche Stereotype erfüllen müssen – und umgekehrt. Es kommt einfach darauf, dass alle mal dran sind: beim Abenteuer erleben, beim schlau sein oder auch beim passiv bleiben.

Wichtig ist, individuell auf die Zuhörer einzugehen: Wenn ein Mädchen gerade auf dem Prinzessinnen-Trip ist, möchte es keine Geschichte von einer Automechanikerin hören. Aber sicher eine von einer starken, vorbildhaften Königstochter. Und wenn ein Junge gerade Puppen spannender als Autos findet, bekommt er keinen Zugang zu einer Rennfahrer-Geschichte, hat aber vielleicht Lust auf eine Erzählung, in der Puppen die Hauptrolle spielen.

Und nächste Woche ist die kindliche Erlebniswelt ohnehin ein ganz andere.

Geschichten sind Vorbereitungen fürs Leben. Und je mehr Möglichkeiten Sie Ihren Kindern in Geschichten aufzeigen, umso mehr Chancen werden sie für ihr eigenes erfülltes Leben ohne Geschlechter-Klischees finden.

Foto: CCO, © Sandy Millar / unsplash

Wir wünschen Euch einen wunderbaren Herbst!

Da sind wir wieder …

In den letzten Wochen gab es nicht viel auf Geschichten-Planet zu lesen. Das ist auch vielleicht gar nicht so schlecht, schließlich bot der Sommer zahllose Gelegenheiten, um selbst tolle Geschichten zu erleben statt sie zu lesen oder erzählt zu bekommen …

Für uns von Geschichten-Planet ist auch dieses Projekt eine einzige großartige Geschichte, und so freuen wir uns schon darauf, mit dem fortschreitenden Herbst wieder aktiver zu werden und mehr für Euch schreiben zu dürfen!

Bis bald also,

Petra und Michael von Geschichten-Planet

Der Geschichtenanfang der Woche: Oma macht Rabatz

Eigentlich hatte Karim seine Oma immer nur als sanftmütige, gütige Frau gekannt. Aber als er dabei war, wie sie einen Brief aus dem Postkasten holte, ihn mit zitternder Hand aufmachte und ihr schließlich Tränen aus den Augen kullerten, während ihre Lippen bebten, ahnte er schon, dass dieser Tag nicht wie all die anderen sein würde, die er in diesem Sommer bei Oma verbrachte.

Ungläubig staunend, wie viel Energie (und auch Zorn) in der alten Dame steckte, sah er ihr nach, wie sie zur Garage stapfte, ihre klappriges Auto halsbrecherisch aus der Einfahrt steuerte und – deutlich langsamer – nach einer Stunde wiederkam. Sie hatte sich gewandelt: Statt böse dreinzuschauen, hatte sie ein richtiges Siegerlächeln aufgesetzt.

Was denkt ihr – was hat Oma unternommen und was könnte in dem Brief gestanden haben?

Hört den Geschichten-Anfang der Woche auch auf itunes:

https://itunes.apple.com/de/podcast/der-geschichten-anfang-der-woche/id1291387251?mt=2

… oder bei soundcloud.

Foto: CCO, © Free-Photos / pixabay

„Anpfiff mit Hindernissen“

Petra stellt den Titel „Anpfiff mit Hindernissen“ von Martin Klein vor; illustriert von Markus Spang, erschienen bei FISCHER Duden Leseprofi (für Klasse 1):

Gleich vorab: Ich bin von diesem Erstleser*innen-Buch begeistert. Denn der Autor Martin Klein nimmt seine jungen Leser ernst. Und es ist ihm gelungen, mit wenig Text eine witzige, schnelle und authentische Geschichte zu schreiben, die junge Sportfans mitreißt.

Wie der Titel schon verspricht, geht es natürlich um Fußball. Die Hauptperson der Geschichte ist Matti, der es kaum erwarten kann, zu seinem ersten Auswärtsspiel aufzubrechen.

Das gab es für Matti noch nie. Kicken in einer anderen Stadt!

Doch dann werden er und seine Mannschaft mit so vielen Hindernissen konfrontiert, dass nicht klar ist, ob sie wirklich antreten können.

Natürlich geht die Geschichte gut aus. Gleichzeitig kommen Fußballbegeisterte voll auf ihre Kosten. Denn der Autor benutzt den gängigen Fußball-Jargon – und trotzdem ist die Geschichte für Leseanfänger*innen problemlos lesbar.

Für mich ist das Buch ein herausragendes Beispiel dafür, dass Erstlesebücher nicht langweilig oder gespickt mit dem „erhobenen pädagogischen Zeigefinger“ sein müssen, sondern spritzig, ereignisreich und fesselnd sein können. Tolles Buch!

Martin Klein: Anpfiff mit Hindernissen. FISCHER Duden Leseprofi 2018, 7,99 EUR

Das Rezensions-Exemplar wurde freundlicherweise vom Verlag FISCHER Duden zur Verfügung gestellt.

beitragsfoto: CC0, © Christian Widell / unsplash
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Der Geschichtenanfang der Woche: Peter findet was raus

O Mann, Chemie! Peter war gar nicht begeistert, als er in den Chemiesaal der Schule schlurfte. Formeln und Gleichungen, Moleküle und Tabellen … er konnte mit diesem Zeug einfach nichts anfangen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass er nicht erkennen konnte, was ihm das mal bringen sollte … Schließlich wollte er einmal Chefkoch werden – und kein Chemiker.

Zu seiner Überraschung eröffnete die Chemielehrerin heute den Schülern: „Kinder, wir machen diesmal ein paar Versuche …“ Nach Ende der Doppelstunde konnte man sehen, wie Peter gutgelaunt und vor sich hinpfeifend den Schulflur entlanghüpfte …

Was denkt Ihr – wieso hat Peter seine Meinung zu Chemie geändert?

Hört den Geschichten-Anfang der Woche auch auf itunes:

https://itunes.apple.com/de/podcast/der-geschichten-anfang-der-woche/id1291387251?mt=2

… oder bei soundcloud.

Foro: CC0, © Martin Lopez / Pexels

Die Haltung macht’s

Eine Geschichte lebt von Spannung, vom Überraschungsmoment und von Steigerungen. Davon wird erzählt. Doch das muss ja auch irgendwie rüberkommen. Wenn Ihr eine Geschichte erzählt, sollen die Zuhörenden mitfiebern, mitdenken, sich fesseln lassen und mitfühlen.

Das gelingt Erzählenden, wenn sie mit der Geschichte „mitgehen“. Dabei spielt die Körperhaltung beim packenden Erzählen eine wichtige Rolle. Denn wenn es gerade so richtig spannend ist, und der Erzähler oder die Erzählerin hängen irgendwie schlaff auf der Couch, bleibt vom Nervenkitzel nicht viel übrig. Also: Ein bisschen Spannung bitte! Und zwar nicht nur in durch passende Worte, sondern eben auch im Körper.

Durch unsere Gestik, Mimik und Körpersprache erzählen wir mit. Körperspannung, ein gespannter Gesichtsausdruck und weit aufgerissene Augen erzählen bei aufregenden Passagen mehr als Worte. So ist Euch die Aufmerksamkeit der Zuhörenden sicher!

Beitragsbild: CC0, © Myriams-Fotos / Pixabay

„Küsschen? Bäh!“

Petra stellt den Titel „Küsschen? Bäh!“ von Barbara Rose, illustriert von Volker Fredrich, erschienen bei Tulipan, vor:

Kinder mögen es gar nicht, wenn sie ungefragt abgeknutscht werden. Verständlich und absolut berechtigt, denn das ist einfach übergriffig! Zu diesem Thema gibt es einige Bücher. Das ist also nicht neu. Dennoch ist das Bilderbuch „Küsschen? Bäh!“ außergewöhnlich!

Die Autorin Barbara Rose hat ihre Geschichte mit Wortwitz, ungewöhnlichen Wendungen und originellen Figuren gestrickt. Und mit denen und ihrer Kusswut muss sich der kleine Leo auseinandersetzen. Da ist Tante Lissi, die irgendwie genau so riecht, wie ihr Pudel. Oder Onkel Fred, der im Gesicht Stachelhaare wie ein Igel hat.
„Feines Küsschen“, ruft Onkel Fred und lacht.
„Bäh“, sagt Leo.

Oder Oma Else, die immer so komisch spricht, wenn sie ihr Gebiss aus dem Mund genommen hat. Und alle wollen Leo küssen. Da bleibt ihm nichts übrig, als sich in seinem Zimmer zu verschanzen. Doch dann hat er eine Idee. Mit einer urkomischen List schafft er es, die Situation aus eigener Kraft zu lösen. Ein echter Held also, dieser Leo, der Küsschen echt „Bäh!“ findet!

Die detailreichen und originellen Illustrationen komplettieren die Geschichte. Sie sind zum Teil als Collage gestaltet und lassen auf jeder Seite die Geschichte in besonderer Weise lebendig werden.

Fazit: Ein Bilderbuch, das ein kindrelevantes, ernstes Thema hervorragend und witzig behandelt. Sehr empfehlenswert!

Barbara Rose: Küsschen? Bäh!, Tulipan 2018, 15,- EUR
Foto: CC0, © suju / pixabay
Das Rezensions-Exemplar wurde freundlicherweise vom Verlag Tulipan zur Verfügung gestellt.

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Der Geschichtenanfang der Woche: Olga ist auf sich gestellt

Olga saß im Wohnzimmersessel und schlenkerte ihre Beine hin und her. Ihr Papa ging vor ihr in die Hocke und hatte seinen „Pass mal auf, gleich kommt was Wichtiges“-Blick aufgesetzt. Und tatsächlich begann er mit „Pass auf, Olga, das ist jetzt wirklich wichtig“. Weiter sagte er: „Du weißt, dass wir das mit dem allein zuhause bleiben schon lange besprochen und geübt haben. Heute ist es soweit, weil ich noch was im Büro vergessen habe.“ Olga jauchzte innerlich: „Hurra! Endlich sturmfrei!“, aber sie nickte nur mit ernster Miene.

Ihr Vater fuhr fort: „Ich bin etwa eine Stunde weg. Du weißt, was Du machen darfst und was nicht. Essen und Trinken sind in der Küche. Weißt Du noch, was wir ausgemacht haben?“ – Olga nickte, und ihr Vater wuschelte ihr durch die Haare – was sie eigentlich gar nicht so sehr mochte. „Also gut. Dann bis später. “ Sie verabschiedeten sich, und kurz darauf hörte sie, wie die Tür ins Schloss fiel. Begeistert sprang Olga auf.

Was denkt Ihr – was wird Olga machen, während ihr Papa weg ist?

Hört den Geschichten-Anfang der Woche auch auf itunes:

https://itunes.apple.com/de/podcast/der-geschichten-anfang-der-woche/id1291387251?mt=2

… oder bei soundcloud.

Foto: CC0, © Katerina Radvanska / unsplash

Eine Geschichte in 60 Wörtern

Ein indianisches Sprichwort sagt: „Sprich von Herzen und fasse dich kurz.“ Klar, damit ist gemeint, dass Plaudertaschen doch auch mal die Luft anhalten und andere zu Wort kommen lassen sollten. Oder sich eben auf den Kern der Sache zu konzentrieren und nicht so viel um den heißen Brei herum zu reden.

Und auch eine Geschichte lässt sich ganz nach diesem Motto erzählen. Mit wenigen Wörtern das sagen, was erzählt werden soll. Wir vom Geschichten-Planet haben es versucht. Hier kommt unser Ergebnis. Die Geschichte eines Familienausflugs, erzählt in 60 Wörtern:

Drei Taschen – zwei mit Proviant.
Erster Stopp: Tankstelle!
Zweiter Stopp: Stau.
„Wann sind wir da?“

Nach einer Stunde: Juhu, ein Parkplatz!
Kassenhäuschen: Erste Schlange.
Im Terrarium: zweite bis fünfte Schlange.
Vor dem Toilettenhäuschen: sechste Schlange.
Sonnencreme vergessen.
Schattenplatz ergattert.

Dann 20 Gehege in 30 Minuten.
Eis für alle? Siebte Schlange.
Heimfahrt: Herrliche Ruhe – Kinder schlafen.
Was für ein toller Familienausflug!

Jetzt seid Ihr an der Reihe! Versucht, eine Geschichte mit so wenig Wörtern wie möglich zu erfinden. Trotzdem soll die Geschichte Sinn ergeben. Wir wünschen Euch viel Spaß dabei!

Beitragsbild: CCO, © / Alexas_Fotos pixabay