Die lange Erde

Michael hat sich die ersten beiden Teile des Zyklus‘ „Die lange Erde“ von Terry Pratchett und Stephen Baxter, erschienen bei der Hörverlag, angehört:

Terry Pratchett gehört auf jeden Fall in die Ruhmeshalle der Science Fiction- und Fantasy-Autoren: Seine Scheibenwelt-Romane haben die Leser nicht nur mit ihren vielen verrückten Ideen rund um das Scheibenwelt-Universum und seine Bewohner begeistert, sondern auch mit ihrem feinen Wortwitz, dem ironischen Schreibstil und der humorvollen Darstellung der Protagonisten. Für mich persönlich setzt die „Nomen-Trilogie“ da sogar noch eins drauf.

Wenige Jahre vor seinem (natürlich viel zu frühen) Tod begann Terry Pratchett zusammen mit Co-Autor Stehen Baxter die mehrteilige Romanreihe ”Die lange Erde“, eine Fortentwicklung seiner Kurzgeschichte „The High Meggas“, deren Ursprung bis in die 1980er Jahre zurückreicht (Quelle: wikipedia.de).

Pratchett-Fans wie ich waren natürlich neugierig, was sich der Meister für dieses neue Universum alles ausgedacht haben mochte, und zumindest ich war von der Grundkonzeption nicht enttäuscht: Die Idee, dass parallel zu unserer Wirklichkeit unzählige weitere Welten existieren, ist zwar nicht neu, aber die Autoren haben sie stimmig ausgebaut. Und das Konzept des Wechselns in Parallelwelten ist eine spannende Sache, die die Geschichte zu tragen vermag. Und mit „Geschichte“ sind wir bei dem Thema, das „Die lange Erde“ zu einem gänzlich unerwarteten Hör- bzw. Leseerlebnis macht: Denn mit dem, was man von Terry Pratchett (vielleicht) erwartet, hat die Story nicht viel zu tun. Und der Erzählstil erst recht nicht. Von Stephen Baxter habe ich, wie ich gestehen muss, noch nichts gelesen, aber er gehört wohl zu jenen Autoren, die bei Science Fiction den Schwerpunkt bei Science setzen; und so wage ich die These, dass „Die Lange Erde“ auch in seinem Œuvre eine eher außergewöhnliche Rolle einnimmt.

So rasant so mancher Scheibenwelt-Roman daherkommt, soviel Zeit lassen sich die beiden Autoren in diesem Werk – über lange Strecken plätschert die Handlung ein wenig dahin. An manchen Stellen wird es zwar leidlich spannend, aber nur selten packt einen die Action so richtig oder zittert man um das Schicksal eines der Helden. Ob das nun am Schreibstil liegt oder an der Ausgestaltung der Figuren, die den Leser (oder zumindest mich) immer etwas in emotionaler Distanz hält, vermag ich nicht zu sagen.

Das Ganze mutet eher wie ein breites Epos an, das dem Leser ab und an den Spiegel vorhält und – eher verhalten – Gesellschaftskritik übt.

Der Leser wird zum stillen, unaufgeregten Beobachter, der mitverfolgt, wie es den Protagonisten ergeht, während sich die menschliche Gesellschaft langsam darauf einstellt, dass ihr plötzlich scheinbar unendliche Erden mit ebenso unendlichen Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Ich bin zwar erst mit Band zwei fertig, aber bereits jetzt umfasst die Handlung Jahrzehnte, und ich mutmaße, dass die Zeitsprünge eher noch größer als kleiner werden … Aber eines muss ich betonen: Langweilig wird die Sache nie!

Ich habe jetzt mal ein anderes Werk dazwischengeschoben, um mir selbst ein wenig Pause von der „Langen Erde“ zu gönnen; dennoch finde ich die Romane lesenswert. Sich einfach einmal ganz sanft von einer Handlung mittragen zu lassen und in Ruhe beobachten, was als nächstes geschieht, ist eine ganz andere Art von Buchreise, als wenn man als Leser beispielsweise durch einen Thriller gehetzt wird. Und ja, ich will unbedingt wissen, wie es denn weitergeht mit Joshua, Lobsang, Monica und Sally!

„Die Lange Erde“, erschienen bei der Hörverlag als MP3-CD
Foto: CC0, © M_Caballero / pixabay
Das Rezensions-Exemplar stammt aus dem privaten Fundus.
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