Geschichten sind treue Begleiter

Petra weiß, wie man Kindern mit Geschichten Stärke, Zuversicht und Phantasie schenkt. Und das Beste: All das zu fördern, ist eigentlich ganz einfach …

Als Kind hob ich mein Fahrrad über meinen Kopf und stellte mir vor, stark wie Pippi Langstrumpf zu sein. Meine Phantasie verlieh mir unfassbare Kräfte. So etwas schafft nur eine wirklich gute Geschichte. Eine Vielzahl davon haben meinen Weg vom Kind zur Erwachsenen gepflastert. Etliche von diesen Geschichten habe ich mehr als nur einmal gelesen und konnte nicht genug bekommen von den Worten, die mich mitnahmen auf eine Reise in meinem Kopf. Manchmal haben mich diese Geschichten getröstet, manchmal auf neue Ideen gebracht. Aber immer haben sie mich in eine andere Welt entführt, in der vieles möglich war. Ich bin keine Träumerin. Aber eine „Vorstellerin“. Und das ist nicht das Schlechteste: sich vorstellen zu können, wie es noch sein könnte. So können aus Kindern kreative Erwachsene werden, die Lösungen suchen statt Probleme zu wälzen. Wenn Ihr Euren Kindern das auch wünscht, dann gebt ihnen Geschichten an die Hand – sie sind starke Wegbegleiter für jede Lebenslage!

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Früher bei Oma und den Dinosauriern

Klar, Kindern muss man immer die Wahrheit sagen. Aber als Zuhörer  ist ihnen schon klar, dass geflunkert werden darf, um eine Geschichte aufregender, lustiger oder phantasievoller zu machen. Traut Euch also was!

„Als Oma ein Kind war, gab es noch Dinosaurier!“ – da ist sich der kleine Neffe von Petra sehr sicher. Doch wenn das wirklich so wäre? Dann könnte Oma davon die spannendsten Geschichten erzählen! Verbindet  beim freien Erzählen ruhig Phantasie und Wirklichkeit. So entstehen Situationen, die sich kleine Zuhörer erträumen. Und die sie sicherlich auch gerne gemeinsam mit Euch weiterspinnen. Erzählt davon, wie es war, als Papa sich in einen Staubsauger verwandelte oder Opa zum Elefantendompteur im Zirkus wurde. Vielleicht fallen den Kindern danach auch gleich die nächsten Begebenheiten ein, über die sie schon immer eine Geschichte hören wollten. Viel Spaß dabei!

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Die andere Lebenshälfte neben Ordnung

Es ist aber auch nicht leicht: Wenn am Abend das Chaos eines erlebnis- und spielereichen Tages entwirrt und aufgeräumt werden soll, ist die Energie der lieben Kleinen plötzlich verpufft. Petra weiß, wie man erzählerischen Schwung ins Aufräum-Ritual bekommt:

„Ordnung ist das halbe Leben!“ – doch ohne die andere Hälfte wäre das Leben ganz und gar nicht komplett. Wenn etwas in Unordnung ist, dann ist das eine echte Steilvorlage für Kreativität und Erfindungen. Wenn also bei Euch zu Hause mal wieder das Chaos Oberhand gewinnt: Erzählt doch mal gemeinsam eine selbst erfundene Aufräumgeschichte! Dabei bekommt jedes herumliegende Ding eine Rolle. Und wird – schwupps – ganz nebenbei an seinen Platz geräumt. Dann ist es im Handumdrehen wieder ordentlich und jeder hatte Spaß daran, sich beim Aufräumen und Erzählen zu beteiligen.

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Fotokalender war gestern: Einen Geschichtenkalender selbst gestalten

„Was schenken wir Oma und Opa, Tante und Onkel dieses Jahr zum Geburtstag, zu Weihnachten oder als Mitbringsel?“ Die originelle Lösung auf diese Frage kommt von Petra: Einen selbst gestalteten Geschichtenkalender!

Nehmt Euch mit den Kindern etwas Zeit und legt los. Gemeinsam erfindet Ihr eine lustige, spannende oder „so ähnlich erlebte“ Geschichte. Schreibt die Geschichte auf. Dann druckt Ihr dieses persönliche Gemeinschaftswerk so aus, dass Ihr zwölf Textblöcke ausschneiden und auf Kalenderblätter kleben könnt. Oma, Opa und Co. bekommen ihre Geschichte dann zum Monat-für- Monat-Weiterlesen. Natürlich können ganz Neugierige auch gleich durchblättern und lesen.

Selbstgemacht heißt hier nicht nur aufgeklebt, sondern auch von Anfang an selbst erfunden. Was für ein liebevolles Geschenk!

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Vorlesen draußen: Ein Genuss für Augen und Seele

Zu dem Zeitpunkt, als dieser Blogeintrag entstand, sah es wettermäßig nicht gerade so aus, als wenn es Spaß machen könnte, draußen zu sein. Trotzdem: Auch der Herbst hat schließlich schöne Sonnentage, und außerdem gilt gerade mit Kindern: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung!“
Nun denn: Die Jacke zugezogen, den Schal um den Hals gewickelt und ab nach draußen, um einmal Petras Tipp auszuprobieren! Nur die Idee mit dem Freibad muss wohl noch ein wenig warten …

Wer sagt denn, dass Vorlesen immer im lauschigen Wohnzimmer auf der Couch oder im Ohrensessel stattfinden muss? Vorleseorte finden sich überall – drinnen wie draußen. Das Besondere an Draußen-Leseorten: Hier passt die Atmosphäre und das Licht. Denn Sonnenlicht ist beim konzentrierten Sehen für die Augen die beste Beleuchtung, mit der keine künstliche Innenbeleuchtung mithalten kann. Wie wäre es, wenn Ihr mit den Kindern die besten Vorleseorte passend zu den Lieblingsgeschichten sucht? Die Wichtelgeschichte wird kurzerhand auf einer Lichtung im Wald vorgelesen. Die Geschichte, bei der es um Wasser geht, passt wunderbar ins Freibad. Und für die Geschichte von Käfern und Schmetterlingen wird das Vorleselager auf der Wiese im Garten aufgeschlagen. So werden typische Geräusche draußen zur Hintergrundmusik der Geschichte.

Taucht gemeinsam ein!

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„Lasst uns eine Geschichte erfinden“ – Leseprobe

Am 18. August 2017 ist im Verlag Herder  das erste gemeinsame Buch von Petra und Michael erschienen: „Lasst uns eine Geschichte erfinden – Storytelling mit der ganzen Familie“.

Dabei verfolgen die beiden Autoren ein innovatives, eigenständiges Konzept: In insgesamt 12 Kapiteln werden unterschiedliche Aspekte des Geschichtenerzählens und die Wirkung von Geschichten beleuchtet. Zu Beginn jedes Kapitels erläutert Petra pädagogische Hintergründe und gibt ganz konkrete Tipps, wie aus einer Geschichte eine wertvolle, kindgerechte Anregung wird. Anschließend zeigt Michael an einer Beispielerzählung, wie eine solche Geschichte mit sinnvoller Funktion aussehen kann. Und schließlich fordert ein motivierender Kreativteil dazu auf, im Rahmen der ganzen Familie eigene Geschichten zu erfinden und zu erzählen.

Und wie sieht das Ganze nun aus? Das zeigen wir Euch – mit freundlicher Genehmigung des Verlags dürfen wir Auszüge aus einem Kapitel veröffentlichen. Wir haben uns für das Kapitel mit extra viel Fantasie entschieden und wünschen Euch viel Vergnügen beim Reinlesen!
(Am Ende der Leseprobe findet Ihr den Partnerlink zu Amazon)

KINDER BRAUCHEN FANTASTISCHE GESCHICHTEN, DAMIT IHRE SEELE WACHSEN KANN

– und es darf ruhig auch mal gruselig sein …

Lassen Sie in Ihren erzählten Geschichten ruhig Ihre Helden zum Mond  fliegen und Gespenster herumgeistern. Damit treffen Sie nicht nur den Nerv Ihrer kleinen Zuhörer, sondern schaffen auch ganz neue, kreative Auseinandersetzungsmöglichkeiten mit verschiedenen  Themen.

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Erzählen Sie von Zauberern, Gespenstern oder Riesen

Bauen Sie fantastische Gestalten in Ihre Geschichten ein. Und erfinden Sie Figuren, die überaus stark, schrecklich gefährlich, des Zauberns mächtig oder unsichtbar sind. In der Fantasie ist eben alles möglich. Dabei müssen Sie keine Angst haben, dass Sie Kinder mit solchen Erzählungen überfordern oder ängstigen würden. Kinder stellen sich in ihrer Fantasie die beschriebenen Figuren nur so gefährlich oder schrecklich vor, wie sie es ganz persönlich verkraften können. Das ist vor allem bei erzählten Geschichten so. Denn beim Erzählen zeigen Sie den Kindern keine vorgefertigten Bilder, schauen sich keine Buchillustrationen an, bei denen jemand eine gruselige Figur schon vorgegeben hat. Alle Bilder entstehen ausschließlich im Kopf des kleinen Zuhörers. Und der mutet sich nur so viel zu, wie ihm guttut.

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So erzählen Sie kindgerechte Fantasiegeschichten

Damit Ihre fantasievollen Geschichten bei Kindern gut ankommen und gerne gehört werden, können Sie auf einige kleine Kniffe und Tipps zurückgreifen:

  • Achten Sie bei einer fantastischen Geschichte immer darauf, dass sie gut ausgeht. Kinder brauchen – gerade wenn der Inhalt der Geschichte sehr spannend und vielleicht auch überzeichnet gefährlich ist – die Sicherheit, dass das Gute am Ende siegt.
  • Merken Sie sich die Eckpunkte Ihrer fantastischen Erzählung gut. Denn gerade gruselige, spannende Geschichten sollten durchaus öfter erzählt werden. Bei jeder Wiederholung werden die Kinder den Helden umso mehr anfeuern, auf dass er seine Aufgabe gut meistern wird. Auch wenn sie natürlich schon wissen, wie es ausgehen wird.
  • Lassen Sie erfundene Figuren ruhig immer wieder etwas Neues erleben. Wenn die Figur den Kindern schon vertraut ist, bekommen Sie sicherlich auch Stichworte und Ideen von den Kindern, wie die Geschichte diesmal sein soll. Der Zwerg Winzi kann im Wald schließlich allerhand erleben oder die kleine Hexe Hilli wird in der Hexenschule immer wieder neue Hexenprüfungen bestehen müssen.
  • Nehmen Sie sich Zeit beim Beschreiben der besonderen, magischen, fantasievollen Figur in Ihrer Geschichte. Und merken Sie sich die äußeren Merkmale. Dann können Sie diese Schilderung als Einstieg für alle weiteren Abenteuer dieser Figur verwenden. Zudem lernen die Kinder den Riesen, Drachen oder Zauberer dadurch besonders genau kennen. Und bestimmt werden sie beim zweiten oder dritten Abenteuer dieser Figur am Anfang mitreden, wenn Sie vom blau schimmernden, krummen Zauberhut, von der Hakennase mit drei grünen Warzen auf der Spitze oder vom Schnurrbart, der bis zu den Zehenspitzen reicht, berichten.
  • Greifen Sie bei fantastischen Geschichten ruhig auch auf sich wiederholende Phrasen während des Geschichtenfortgangs zurück. Verwenden Sie zum Beispiel Zaubersprüche, die immer wieder aufgesagt werden. Oder legen Sie der fantastischen Figur bestimmte Redewendungen in den Mund. Sagt der Räuber zum dritten Mal »Eieieiei, verblüxt noch mal«, werden die Kinder bestimmt lachend mit einstimmen.(…)

    Geschichte:  Ich bin zu groß zum Gruseln!

    »Gute Nacht, Ben!«
    Benjamins Mutter gab ihm, wie jeden Abend, einen sanften Gutenachtkuss auf die Stirn und zog ihm dabei die Decke bis zu den Schultern.
    »Gute Nacht, Mama! Schaust du noch in den Schrank?«, fragte er mit sorgenvollem Blick.
    »Aber natürlich.« Sie ging zu Bens Kleiderschrank, öffnete die Türen so weit, dass Ben hineinsehen konnte, und sagte: »Siehst du? Niemand drin. Keine Geister, Hexen und Zauberer.«
    »Und Monster?«
    »Moment, ich schau noch mal … hm … nein, auch keine Monster.«
    »Danke, Mama.«
    »Bitte schön. Und jetzt schlaf«, sagte Bens Mutter und löschte das Deckenlicht. Nur das kleine Nachtlicht neben seiner Tür vertrieb ein wenig von der Dunkelheit in seinem Zimmer. Weil seine Mutter ihm gesagt hatte, dass es in seinem Schrank nichts gab, wovor er sich fürchten müsste, schlief Ben auch bald ein. Aber kurz darauf weckte ihn ein Rütteln an seiner Schulter.
    »Ben! Ben!«, flüsterte jemand aufgeregt. Erschrocken fuhr er hoch – und sah seinen geliebten Teddy Kasimir auf dem Kopfkissen sitzen. Der starrte ihn mit ängstlichen Knopfaugen an. Benjamin rieb sich die Augen.
    »Du kannst reden?«, fragte er verwirrt.
    »Aber natürlich! Ich bin dein Teddy! Wie sollten wir uns sonst unterhalten?«, erwiderte das Kuscheltier, und Ben musste zugeben, dass diese Erklärung ganz logisch klang. Also fragte er nicht weiter nach und wollte wissen: »Was ist denn, Kasimir?«

    Da ist jemand im Schrank!«
    »Aber meine Mami hat doch nachgesehen.«
    »Trotzdem.«
    »Hast du etwa Angst, Kasimir?«
    »Klar! Ich gehöre zur kleinsten aller Bärenarten, kann nicht weglaufen und habe keine Krallen wie mein Onkel Georg Grizzly. Natürlich habe ich Angst! Du nicht?« Benjamin entschloss, vor einem kleinen Teddy keine Furcht zu zeigen, streckte Brust und Kinn vor und sagte, mehr um sich selbst zu überzeugen:
    »Natürlich nicht! Ich bin zu groß zum Gruseln!« Er klemmte sich Kasimir unter den Arm, hüpfte aus dem Bett und schritt wagemutig in Richtung Schrank. Dabei hielt er den Teddy ganz fest. Obwohl Benjamin so furchtlos tat, war irgendwie nicht ganz klar, wer hier eigentlich wen beschützte, als sie vorsichtig in den Schrank lugten.
    »Hallo?«, sagte Ben leise, und bevor er »Ist da wer?« fragen konnte, stupste Kasimir ihn an.
    »Da!«, sagte der Bär und deutete mit einer Tatze tiefer in den Schrank hinein. »Da ist Licht!«
    Und tatsächlich: Es war Benjamin noch nie aufgefallen, aber tief drin im Schrank erkannte er einen Spalt, durch den etwas Licht drang. Sie gingen einen Schritt weiter, und als sie ganz im Schrank waren, fiel die Tür hinter ihnen zu. Sie zuckten zusammen, doch hinter ihnen war es zu dunkel, um irgendetwas zu erkennen und einen Ausweg zu suchen. Also gingen sie näher zu dem Spalt, und nun hörten sie sogar Stimmen! Gebannt legten Junge und Bär je ein Ohr an den Lichtspalt und lauschten angestrengt.

    »Warzenschleim und Krötenglibber, ich sage doch, da ist niemand im Schrank! Keine Hexen, keine Geister.«
    »Und Menschen?«
    »Wie sollen denn Menschen in deinen Schrank kommmen? Aber gut, ich seh mal nach.«
    Schlurfende Schritte näherten sich, begleitet von ächzendem Schnaufen und Naseschniefen. Dann wurde der Spalt immer größer, eine Tür öffnete sich, und Kasimir und Benjamin blickten auf die schauerlichste Gestalt, die sie je gesehen hatten: ein uralter, verschrumpelter Zwerg, der Ben kaum bis zur Schulter reichte. Er hatte eine zerrissene Hose an, sein Hemd war über und über mit Schmutzflecken und Spritzern von Tomatensoße bedeckt und einer seiner Hosenträger schleifte auf dem Boden, weil der Knopf fehlte. Der Zwerg hatte wild zerzaustes, graues Haar und so viele Falten im Gesicht, dass er aussah wie ein uralter Baum. Er hatte Augen und Mund aufgerissen, und Ben konnte mehr Zahnlücken als Zähne erkennen.

    »Aaaaaaaaaaaaaaarrrrgh!«, schrie der Zwerg.
    »Aaaaaaaaaaaaaaarrrrgh!«, schrien Ben und sein Teddy, und als der Zwerg davonlief, rannten auch sie aus dem Schrank, quer durch ein Zimmer, das sie noch nie gesehen hatten, und an einem Bett vorbei, in dem ein junger Zwerg lag und sich die Decke über den Kopf zog.
    »Da entlang!«, rief Kasimir und deutete auf eine Tür. Der alte Zwerg hatte mittlerweile seinen ganzen Mut zusammengenommen, griff nach einem Besen und fuchtelte damit in ihre Richtung.
    »Kschschsch«, machte er. »Ksch! Raus mit euch, furchtbare Kreaturen!« Aber genau das hatten der Junge und sein Knuddelbär ohnehin vor, und Ben stürmte durch die Tür nach draußen. Mit seinem Bären lief und lief er, immer weiter, aber irgendwann konnte Ben nicht mehr und blieb schnaufend stehen.
    (…)