Ein Lächeln am Sonntagabend

Bevor man eine Familie ist, ist man (meist) erst einmal ein Paar. Und über genau diese Zeit der Zweisamkeit hat Michael in einer regelmäßigen Kolumne geschrieben. Auf Geschichten-Planet.de erfahren einige Ausgaben eine Wiederveröffentlichung – schließlich schreibt das Leben die besten Geschichten. Viel Spaß!

Gerberas! Ich brauche mehr Gerberas!

Niemals werde ich eine klassische Hochzeit feiern! All dieses pompöse Gedöns, die Einladungskarten, die Sitzordnung, die Band, die Blumen, die Kirche, die Fotos… das brauch ich nicht, das will ich nicht, das kriegt sie nicht. Ein Standpunkt, der tief in meiner Junggesellenzeit verwurzelt ist und von dem ich auch nie abrücken wollte. Nicht für diese großen braunen Augen, nicht für diesen Schmollmund und nicht für diese Finger, die unruhig auf der Tischplatte trommelten.

„So, du willst also eine alternative Hochzeit?“ fragte die, die vor dem Gesetz bereits meine Frau war und die ich nun noch zum Alter führen wollte, und zeichnete Gänsefüßchen um das ‚alternative‘ in die Luft. „Und wie sieht sowas aus?“ – „Na ja…“ fing ich an. „Mehr wie ne… Party halt.“ .Die Antwort kam so knapp wie frostig: „Tja, dann wirst du wohl Ronald McDonald heiraten müssen. Der schmeißt… Partys!“ Die Gänsefüßchen für ‚Party‘ zerschnitten die eisige Atmosphäre, und ich wusste: Aus der Nummer würde ich nicht mehr rauskommen. Vor meinem geistigen Auge sah ich den Albtraum, der schon so viele Männer heimgesucht hatte: Tischkärtchen beschriften, die Sitzordnung in 3D am Computer planen, bei Hochzeitsmessen als Stammgast persönlich begrüßt werden und Tanzlehrern beim Hochzeitsvorbereitungskurs zur Belustigung dienen. Und mittendrin im Chaos meine Zukünftige mit was Blauem, was Geliehenem und so weiter, wie sie noch vor der Kirche furiengleich das Gasthaus inspiziert, an Tischdecken zupft, die Sektempfangsgläser ausrichtet, am Blumenarrangement nestelt und nach mehr Gerberas auf dem Brauttisch ruft. Kalter Schweiß trat mir auf die Stirn. „Also gut.“ unterbrach sie zu meiner Verblüffung die Schreckensvision. „Мachen wir halt was anderes. Du planst!“

Die Pointe, der Leser ahnt es, ist vorhersehbar: Mir fiel nichts ein. Und je verrückter die Location (Arbergipfel bei Sonnenaufgang), abgedrehter das Partymotto (hoch zeiten, tief stapeln) und planloser die Gästeliste wurde, umso mehr wurde mir klar: Das will ich dann doch nicht. Ich will eine Hochzeit mit leckerem Essen, in einem schönen Saal, mit feiner Musik, viel Tanz, noch mehr guten Freunden und meinetwegen auch mit der ganzen Verwandtschaft. Und so  fanden wir uns, ganz der perfiden Planung meiner Frau folgend, wieder beim gemeinsamen Planen, beim Probeessen, Fotografen aussuchen, Band buchen und Sitzplan aushecken. Weil, irgendwie gehört es dann doch dazu, dieser ganze Aufwand, die Planerei und die Geheimnistuerei beim Brautkleid. Und dass es keine zu gewöhnliche Hochzeit werden wird, dafür sorgt dann schon das Brautpaar. Ich muss mich nur noch vergewissern, dass auch genug Gerberas da sein werden.

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Hört uns jetzt bei soundcloud und als Podcast in iTunes!

Eine Geschichte, die nur einen Beginn hat: Das ist doch genau das Richtige für einfallsreiche Zuhörer und Erzähler! Darum gibt’s bei uns den „Geschichtenanfang der Woche“: Jeden Freitag veröffentlichen wir einen neuen Start in eine Geschichte, die auf vielfältigste Weise weitererzählt werden kann. Ihr hört uns entweder auf soundcloud oder könnt unseren Podcast in iTunes abonnieren:

https://itunes.apple.com/de/podcast/der-geschichten-anfang-der-woche/id1291387251?mt=2

Wir wünschen Euch viel Spaß! (Text des aktuellen Geschichten-Anfangs weiter unten)

Der Geschichtenanfang der Woche: Für Lukas wird alles ganz anders.

Lukas warf sein Rad ins hohe Gras und lief ans Seeufer. Hierher zog er sich immer zurück, wenn er über etwas grübeln musste. Er schniefte, wischte sich die Tränen aus den Augen und suchte einen Stein, den er übers Wasser hüpfen lassen konnte. Er dachte: „Gestern, am Montag, war noch alles so wie immer!“ Aber heute war Dienstag, und nichts war mehr so, wie Lukas es kannte.

Was denkt Ihr – was beschäftigt Lukas und wie wird er die Situation meistern?

 

Lesekompetenz schon bei Kleinkindern fördern?

Natürlich: Lesen lernen Kinder in der Schule. Aber Ihr könnt schon bei den Jüngsten den Grundstein legen, damit das Lesenlernen später leichter fällt. Denn etwas zu lernen fällt am leichtesten, wenn man davon wirklich begeistert ist. Und wenn man überzeugt davon ist, dass man das Wissen oder die Fertigkeit auch gut gebrauchen kann. Kinder, die von klein auf an Geschichten herangeführt werden, lassen sich von den gedruckten Buchstaben also schnell fesseln. Sie wollen später dann auch wissen, was dort steht, wollen Geschichten selbst entziffern können.

Hier also die drei wichtigsten Tipps, wie Ihr sozusagen den Kleinsten die spätere Freude am Lesen in die Wiege legen könnt:

  • Schafft beim Geschichtenerzählen und Vorlesen eine Kuschelatmosphäre

Ist es besonders gemütlich, wenn es um Geschichten geht, verbinden Kinder damit ein Wohlgefühl. Das hilft dabei, auch später das Lesen in der Kategorie „schön“ einzuordnen.

  • Gebt den Kindern Bücher zum Anfassen

Bücher müssen von Kinder „be-griffen“ werden dürfen. Das machen Kleinkinder mit allen Sinnen. Sie blättern nicht vorsichtig dünne Seiten um, sondern sie betasten, stecken in den Mund und horchen, was passiert, wenn ein Buch auch mal runterfällt. Das müssen Bücher für die Allerjüngsten aushalten! Also: Stabile Pappbücher besorgen, für Kinder erreichbar aufbewahren und sich mit Kindern an der Vielfältigkeit der Nutzung von Büchern freuen!

  • Zeigt Interesse an Geschichten

Wenn Kinder merken, dass ihr selbst Geschichten mögt, werden sie sich das als Vorbild nehmen. Kinder dürfen also ruhig miterleben, dass Mama und Papa auch gerne schmökern. Sie brauchen eure Aufmerksamkeit, wenn sie euch etwas erzählen wollen. Und sie wollen auch mal ihre Lieblingsgeschichte zum hundertsten Mal hören.

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Geschichten sind treue Begleiter

Petra weiß, wie man Kindern mit Geschichten Stärke, Zuversicht und Phantasie schenkt. Und das Beste: All das zu fördern, ist eigentlich ganz einfach …

Als Kind hob ich mein Fahrrad über meinen Kopf und stellte mir vor, stark wie Pippi Langstrumpf zu sein. Meine Phantasie verlieh mir unfassbare Kräfte. So etwas schafft nur eine wirklich gute Geschichte. Eine Vielzahl davon haben meinen Weg vom Kind zur Erwachsenen gepflastert. Etliche von diesen Geschichten habe ich mehr als nur einmal gelesen und konnte nicht genug bekommen von den Worten, die mich mitnahmen auf eine Reise in meinem Kopf. Manchmal haben mich diese Geschichten getröstet, manchmal auf neue Ideen gebracht. Aber immer haben sie mich in eine andere Welt entführt, in der vieles möglich war. Ich bin keine Träumerin. Aber eine „Vorstellerin“. Und das ist nicht das Schlechteste: sich vorstellen zu können, wie es noch sein könnte. So können aus Kindern kreative Erwachsene werden, die Lösungen suchen statt Probleme zu wälzen. Wenn Ihr Euren Kindern das auch wünscht, dann gebt ihnen Geschichten an die Hand – sie sind starke Wegbegleiter für jede Lebenslage!

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Emojical Mau-Mau

Petra stellt das Spiel „Emojical Mau-Mau“ von Spiele-Erfinderin Tanja Philippeit, erschienen bei Starnberger Spiele, vor:

Mau-Mau kennt man natürlich. Auch bei diesem Spiel gelten die bekannten Spielregeln. Es gibt Aussetz-Karten, Richtungswechsel und Karten, bei denen der Gegenspieler ziehen muss. Aber dieses Mau-Mau ist dennoch ungewöhnlich: Statt Zahlen sind Emojis als Symbole auf den meisten der Karten. Gelegt werden kann Farbe auf gleiche Farbe oder Symbol auf gleiches Symbol. Man legt also den Smilie, der vor Lachen Tränen weint, auf eben das gleiche Emoji. So bringen mich und meinen 6-jährigen Mitspieler die Karten ganz von alleine zum Lachen.

„Schau mal, da gibt’s sogar einen Kacki-Haufen!“, kichert der Erstklässler begeistert. „Aber Sch… sagt man nicht“, fügt er wissend hinzu. Neben den bekannten Mau-Mau-Regeln gibt es auch Tipps, wie das Spiel mit einer kleinen Zusatzregel noch lustiger und Action-reicher wird. Wir haben es ausprobiert und uns köstlich amüsiert!

Sogar eine Extrakarte ist dabei, zu der man eine eigene Regel erfinden darf. Mein junger Mitspieler entscheidet sich dafür, dass einer von uns eine Grimasse schneiden muss, wenn die Karte ausgespielt wird. Kurz darauf können wir beide kaum noch aufhören zu lachen.

Tanja Philippeit, der Spieleerfinderin dieses Kartenspieles, ist etwas ganz Besonderes gelungen: Sie hat ein bekanntes Spiel so aufgepeppt, dass es modern daherkommt, einen ganz eigenen Charme hat und Abwechslung und Unerwartetes ins Spiel bringt. Mein 6-jähriger Mittester und ich sind restlos begeistert. Unsere Empfehlung: Unbedingt ausprobieren!

Bild © privat

Emojical Mau-Mau, empfohlen ab 6 Jahren, für 2-10 Mitspielende. Starnberger Spiele 2017, 12,95 EUR

 Das Rezensions-Exemplar wurde freundlicherweise von Tanja Philippeit von „Sternberger Spiele“ zur Verfügung gestellt.
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Früher bei Oma und den Dinosauriern

Klar, Kindern muss man immer die Wahrheit sagen. Aber als Zuhörer  ist ihnen schon klar, dass geflunkert werden darf, um eine Geschichte aufregender, lustiger oder phantasievoller zu machen. Traut Euch also was!

„Als Oma ein Kind war, gab es noch Dinosaurier!“ – da ist sich der kleine Neffe von Petra sehr sicher. Doch wenn das wirklich so wäre? Dann könnte Oma davon die spannendsten Geschichten erzählen! Verbindet  beim freien Erzählen ruhig Phantasie und Wirklichkeit. So entstehen Situationen, die sich kleine Zuhörer erträumen. Und die sie sicherlich auch gerne gemeinsam mit Euch weiterspinnen. Erzählt davon, wie es war, als Papa sich in einen Staubsauger verwandelte oder Opa zum Elefantendompteur im Zirkus wurde. Vielleicht fallen den Kindern danach auch gleich die nächsten Begebenheiten ein, über die sie schon immer eine Geschichte hören wollten. Viel Spaß dabei!

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Die andere Lebenshälfte neben Ordnung

Es ist aber auch nicht leicht: Wenn am Abend das Chaos eines erlebnis- und spielereichen Tages entwirrt und aufgeräumt werden soll, ist die Energie der lieben Kleinen plötzlich verpufft. Petra weiß, wie man erzählerischen Schwung ins Aufräum-Ritual bekommt:

„Ordnung ist das halbe Leben!“ – doch ohne die andere Hälfte wäre das Leben ganz und gar nicht komplett. Wenn etwas in Unordnung ist, dann ist das eine echte Steilvorlage für Kreativität und Erfindungen. Wenn also bei Euch zu Hause mal wieder das Chaos Oberhand gewinnt: Erzählt doch mal gemeinsam eine selbst erfundene Aufräumgeschichte! Dabei bekommt jedes herumliegende Ding eine Rolle. Und wird – schwupps – ganz nebenbei an seinen Platz geräumt. Dann ist es im Handumdrehen wieder ordentlich und jeder hatte Spaß daran, sich beim Aufräumen und Erzählen zu beteiligen.

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Die Weltsicht von Kindern

Einladung zum Rollentausch: Kinder laden uns täglich dazu ein, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Petra hat ein schönes Erlebnis gehabt, das zeigt: Es lohnt sich und ist bereichernd, mit Kindern zu diskutieren und zu philosophieren!

Kürzlich habe ich im Zug folgendes Gespräch zwischen einer Mutter und ihrer etwa 4-jährigen Tochter aufgeschnappt. Tochter: „Mama, sind in Nussnougat-Creme eigentlich auch Vitamine?“ Mutter: „Ja, schon. Aber nur ganz wenig.“ Tochter: „Aha. Na, dann muss man eben ganz viel davon essen!“

Ich war von der schlauen Schlussfolgerung des Mädchens beeindruckt. Und ich bin mir sicher, dass sie auch zu anderen Fragen, die man sich einfach mal stellen sollte, eine Antwort hätte. Das ist die beste Grundlage, um gemeinsam zu philosophieren und sich zu erzählen, wie jeder die Welt so sieht. Dabei sollte es kein „richtig“ oder „falsch“ geben. Sondern ein „jeder hat auf seine Weise recht“. Ihr werdet sehen, wie bereichernd das ist!

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Ein individuelles Bilderbuch lädt zum Erzählen ein

Ein Beitrag von Petra, der Lust aufs gemeinsame Basteln macht:

Bilderbücher begeistern schon die Jüngsten. Hier können sie erst Ente, Hund, Esel und Co. entdecken. Später finden sie in den Illustrationen zur Geschichte interessante Details und können anhand der Bilder die Geschichte leicht mitverfolgen und miterzählen. Wie spannend es aber ist, selbst Hauptperson einer Bilderbuchgeschichte zu sein! Das könnt Ihr ruckzuck verwirklichen. Sammelt Kinder- und Familienfotos, z. B. von einer Urlaubsreise oder einfach von alltäglichen Situationen. Klebt  jedes Foto auf einen festen Tonkarton – gerne in unterschiedlichsten Farben! Locht  die Blätter anschließend und verbindet die Seiten mit zwei Schlüsselringen. Fertig ist das ganz persönliche, individuelle Bilderbuch. Bestimmt fallen den Kindern und Euch Seite um Seite die spannendsten Geschichten ein, die Ihr Euch gemeinsam erzählen könnt.

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