Herumblättern erlaubt!

Kürzlich habe ich der kleinen Tochter einer Freundin vorgelesen. Mitten in der Geschichte hat sie plötzlich weitergeblättert. Weil ich die Geschichte nicht kannte, musste ich das Vorlesen unterbrechen. Das fand die Kleine kein bisschen schlimm. Denn ihr war im Moment wichtig, an den Bildern auf der nächsten Seite zu sehen, wie es gleich weitergeht. Ein paar Seiten weiter passierte das Gegenteil. Das Mädchen blätterte eine Seite zurück. Sie musste sich noch einmal ins Gedächtnis rufen, was auf den Bildern vorher zu sehen war.

Ich war absolut begeistert! Das Mädchen war nämlich keineswegs unaufmerksam, sondern genau das Gegenteil: Sie war mitten drin in der Geschichte, wollte aktiv Erzähltes verinnerlichen und sich auf Kommendes vorbereiten. Das Buch haben wir anschließend dann noch dreimal gelesen und am Ende nochmal durchgeblättert. So intensiv kann Vorlesen sein!

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Vorweihnachtszeit ist Geschichtenzeit!

In den Tagen und Wochen vor Weihnachten werden in Familien traditionell mehr Geschichten erzählt oder vorgelesen als zu anderen Zeiten im Jahr. Draußen ist es schon nachmittags dunkel und auf dem Sofa dann umso mehr gemütlich. Wie ist das bei euch? Haben in eurer Familie vor Weihnachten Geschichten auch Hochkonjunktur?

Vielleicht traut ihr euch in diesem Tagen ja mal, frei von jedem gedruckten Text an eine Geschichte heran. Denn gerade in der Vorweihnachtszeit gibt es besonders viele Erzählanlässe. Wie war es auf dem Weihnachtsmarkt? Welche Geschichte fällt euch zum Thema „Weihnachtsmann“, „Erster Schnee“ oder „Plätzchenbacken“ ein? Na, habt ihr euren Geschichten-Erfindungs-Motor schon angeworfen?

Viel Spaß beim weihnachtlichen Geschichten erfinden und erzählen!

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Häppchenweise lesen

Im Netz bin ich kürzlich über einen tollen Artikel mit Tipps des Schauspielers Rufus Beck rund ums Vorlesen gestolpert. Er rät dazu, Geschichten als Vorleser in kleine Portionen aufzuteilen. Dann fällt das Vorlesen leichter.

Außerdem ist sein Vorlese-Geheimtipp: sich dabei Zeit lassen. Gemeint ist damit nicht nur das langsame Lesen, sondern auch Pausen zwischen Abschnitten oder Kapiteln. So lässt man dem Zuhörer auch Zeit, das Gehörte zu verstehen und wirken zu lassen. Außerdem machen Pausen Geschichten spannend und rhythmisch.

Rufus Beck findet übrigens, dass kleine Versprecher gar nicht schlimm sind und den Zuhörer in der Regel überhaupt nicht stören. Und er muss es schließlich wissen, denn immerhin hat er schon unzählige Hörbücher eingelesen und versteht sein Handwerk!

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Papas: ran ans Buch!

Vorlesen ist ziemlich häufig „Mama-Sache“: Eine Umfrage bei Statista zeigt, dass mehr als die Hälfte der befragten Väter „keine Zeit zum Vorlesen“ hat…

Fragt man Papas, so werden meist die gleichen Gründe angegeben, warum sich Väter fürs Vorlesen nicht allzu sehr zuständig fühlen:

Sie haben aus Berufsgründen Zeitmangel, sie denken, dass die Kinder eh an die Mama als Vorleserin gewöhnt sind – und überhaupt: Ist das denn wirklich  so wichtig mit dem Vorlesen?

Wir finden finde das ziemlich schade, denn Vorlesen wirkt beziehungsstärkend! Gemeinsam in eine Geschichte eintauchen und in gemütlicher Umgebung das Gefühl von Geborgenheit vermitteln: Das ist ein megatolles Erlebnis für Kinder – und ihre Väter.

Ein Tipp für alle Papas, die nun überzeugt sind – oder es auch vorher schon waren: Guten Vorlesestoff findet Ihr hier auf dieser Seite unter der Rubrik „Empfehlungen“ oder „Unsere Bücher“. Viel Spaß beim gemeinsamen Erleben von Geschichten!

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Teil einer anderen Welt auf Zeit

Kinder lieben es, sich zu verkleiden. Darum ist für sie Fasching, Karneval oder Fastnacht eine wunderbare Gelegenheit, in eine andere Rolle zu schlüpfen und so als Hauptperson in eine andere Welt einzutauchen. Das klappt übrigens auch mit Geschichten. Denn hier wird das Kopfkino angeworfen: Schwups – schon ist man selbst ein mutiger Ritter, ein superstarkes Mädchen oder ein gefährlicher Räuber. Toll! Und das beste daran, ist, dass diese Rolle dann im Kopf weiterspinnen kann. Ein bisschen also wie beim Verkleiden in der närrischen Zeit.

Und Kinder brauchen das gesamte Jahr über die Möglichkeit, sich in anderen Rollen ausprobieren zu dürfen. Also her mit den Geschichten, bei denen man in andere Rollen schlüpft!

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„Erzähl doch mal was zum Lachen!“

Wann habt Ihr Euch das letzte Mal so richtig kringelig und scheckig gelacht? Mal ehrlich: Das passiert uns Erwachsenen nicht mehr allzu oft. Kinder lachen erwiesenermaßen viel häufiger (und meist ausgelassener) als Erwachsene. Schade eigentlich! Denn auch uns Erwachsenen würde mehr Lachen gut tun.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass beim Lachen über 100 Muskeln beteiligt sind. Unser Körper wird dabei mit messbar mehr Sauerstoff versorgt und unsere Bronchen werden durchlüftet. Außerdem macht Lachen glücklich, denn beim Lachen wird Serotonin, das bekannte Glückshormon, ausgeschüttet. Grund genug, genau heute unbedingt noch eine lustige Geschichte zu erzählen oder vorzulesen. Stöbert mal in eurem Bücherschrank oder lasst die Kinder aussuchen. Hauptsache, es gibt heute noch was zum Lachen!

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Lesekompetenz schon bei Kleinkindern fördern?

Natürlich: Lesen lernen Kinder in der Schule. Aber Ihr könnt schon bei den Jüngsten den Grundstein legen, damit das Lesenlernen später leichter fällt. Denn etwas zu lernen fällt am leichtesten, wenn man davon wirklich begeistert ist. Und wenn man überzeugt davon ist, dass man das Wissen oder die Fertigkeit auch gut gebrauchen kann. Kinder, die von klein auf an Geschichten herangeführt werden, lassen sich von den gedruckten Buchstaben also schnell fesseln. Sie wollen später dann auch wissen, was dort steht, wollen Geschichten selbst entziffern können.

Hier also die drei wichtigsten Tipps, wie Ihr sozusagen den Kleinsten die spätere Freude am Lesen in die Wiege legen könnt:

  • Schafft beim Geschichtenerzählen und Vorlesen eine Kuschelatmosphäre

Ist es besonders gemütlich, wenn es um Geschichten geht, verbinden Kinder damit ein Wohlgefühl. Das hilft dabei, auch später das Lesen in der Kategorie „schön“ einzuordnen.

  • Gebt den Kindern Bücher zum Anfassen

Bücher müssen von Kinder „be-griffen“ werden dürfen. Das machen Kleinkinder mit allen Sinnen. Sie blättern nicht vorsichtig dünne Seiten um, sondern sie betasten, stecken in den Mund und horchen, was passiert, wenn ein Buch auch mal runterfällt. Das müssen Bücher für die Allerjüngsten aushalten! Also: Stabile Pappbücher besorgen, für Kinder erreichbar aufbewahren und sich mit Kindern an der Vielfältigkeit der Nutzung von Büchern freuen!

  • Zeigt Interesse an Geschichten

Wenn Kinder merken, dass ihr selbst Geschichten mögt, werden sie sich das als Vorbild nehmen. Kinder dürfen also ruhig miterleben, dass Mama und Papa auch gerne schmökern. Sie brauchen eure Aufmerksamkeit, wenn sie euch etwas erzählen wollen. Und sie wollen auch mal ihre Lieblingsgeschichte zum hundertsten Mal hören.

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Geschichten sind treue Begleiter

Petra weiß, wie man Kindern mit Geschichten Stärke, Zuversicht und Phantasie schenkt. Und das Beste: All das zu fördern, ist eigentlich ganz einfach …

Als Kind hob ich mein Fahrrad über meinen Kopf und stellte mir vor, stark wie Pippi Langstrumpf zu sein. Meine Phantasie verlieh mir unfassbare Kräfte. So etwas schafft nur eine wirklich gute Geschichte. Eine Vielzahl davon haben meinen Weg vom Kind zur Erwachsenen gepflastert. Etliche von diesen Geschichten habe ich mehr als nur einmal gelesen und konnte nicht genug bekommen von den Worten, die mich mitnahmen auf eine Reise in meinem Kopf. Manchmal haben mich diese Geschichten getröstet, manchmal auf neue Ideen gebracht. Aber immer haben sie mich in eine andere Welt entführt, in der vieles möglich war. Ich bin keine Träumerin. Aber eine „Vorstellerin“. Und das ist nicht das Schlechteste: sich vorstellen zu können, wie es noch sein könnte. So können aus Kindern kreative Erwachsene werden, die Lösungen suchen statt Probleme zu wälzen. Wenn Ihr Euren Kindern das auch wünscht, dann gebt ihnen Geschichten an die Hand – sie sind starke Wegbegleiter für jede Lebenslage!

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Früher bei Oma und den Dinosauriern

Klar, Kindern muss man immer die Wahrheit sagen. Aber als Zuhörer  ist ihnen schon klar, dass geflunkert werden darf, um eine Geschichte aufregender, lustiger oder phantasievoller zu machen. Traut Euch also was!

„Als Oma ein Kind war, gab es noch Dinosaurier!“ – da ist sich der kleine Neffe von Petra sehr sicher. Doch wenn das wirklich so wäre? Dann könnte Oma davon die spannendsten Geschichten erzählen! Verbindet  beim freien Erzählen ruhig Phantasie und Wirklichkeit. So entstehen Situationen, die sich kleine Zuhörer erträumen. Und die sie sicherlich auch gerne gemeinsam mit Euch weiterspinnen. Erzählt davon, wie es war, als Papa sich in einen Staubsauger verwandelte oder Opa zum Elefantendompteur im Zirkus wurde. Vielleicht fallen den Kindern danach auch gleich die nächsten Begebenheiten ein, über die sie schon immer eine Geschichte hören wollten. Viel Spaß dabei!

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Die andere Lebenshälfte neben Ordnung

Es ist aber auch nicht leicht: Wenn am Abend das Chaos eines erlebnis- und spielereichen Tages entwirrt und aufgeräumt werden soll, ist die Energie der lieben Kleinen plötzlich verpufft. Petra weiß, wie man erzählerischen Schwung ins Aufräum-Ritual bekommt:

„Ordnung ist das halbe Leben!“ – doch ohne die andere Hälfte wäre das Leben ganz und gar nicht komplett. Wenn etwas in Unordnung ist, dann ist das eine echte Steilvorlage für Kreativität und Erfindungen. Wenn also bei Euch zu Hause mal wieder das Chaos Oberhand gewinnt: Erzählt doch mal gemeinsam eine selbst erfundene Aufräumgeschichte! Dabei bekommt jedes herumliegende Ding eine Rolle. Und wird – schwupps – ganz nebenbei an seinen Platz geräumt. Dann ist es im Handumdrehen wieder ordentlich und jeder hatte Spaß daran, sich beim Aufräumen und Erzählen zu beteiligen.

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