Spektrum

Michael hat sich den Roman „Spektrum“ von Sergej Lukianenko bei Audible angehört:

Russische Science Fiction-Autoren? Da fallen den LeserInnen bzw. HörerInnen wahrscheinlich nicht allzu viele Namen ein – außer vielleicht Isaac Asimov, der aber bereits mit drei Jahren in die USA auswanderte. Wer sich intensiver mit SciFi beschäftigt, wird aber ganz bestimmt auch den Namen Sergej Lukianenko kennen: Der erfolgreichste russische Science Fiction- und Fantasy-Autor der Gegenwart (lt. Wikipedia) ist spätestens seit seiner „Wächter“-Reihe, von der es auch zwei Verfilmungen gab, ein bedeutender Name dieses Genres. Und das aus gutem Grund …

„Spektrum“ ist ein Roman bzw. Hörbuch, der auf Jugendliche und Erwachsene zielt. Und er erzählt eine im besten Wortsinn phantastische Geschichte: In einer Welt der nahen Zukunft haben Außerirdische, die „Schließer“ genannt werden, zahlreiche Tore auf der Erde errichtet, mit deren Hilfe sich Menschen (passenderweise im Buch Touristen genannt) auf andere Planeten teleportieren lassen können. Das ist kein ganz neues Motiv, aber bereits mit der ungewöhnlichen „Fahrkarte“ für die Tore macht der Roman seinen besonderen Status deutlich: Reisen darf nur, wer einem Schließer eine gute Geschichte zu erzählen vermag!

Der Russe Martin ist nun jemand, der sich auf gute Geschichten versteht und deshalb oft durch die Tore geht – als Detektiv, der sich nicht nur auf der Erde auf Spurensuche begibt. Auch sein neuester Fall führt ihn in eine fremdartige Welt, auf den Planeten Bibliothek, wo er das Mädchen Irina finden soll. Tragischerweise kommt Irina aber auf Bibliothek ums Leben. Doch damit endet der Fall nicht: Jetzt beginnt erst eine staunensreiche Odyssee durch zahlreiche faszinierende Welten und eine rätselhafte, aber immer spannende Handlung …

Das Erste, was einem an „Spektrum“ auffällt, ist die sorgfältige, geschliffene und höchst angenehme Sprache, die fast ein wenig antiquiert daherkommt – ein äußerst reizvoller Kontrast zum Zukunftsthema. Was dazu passt, ist der Eindruck, dass uns der Autor in den Dialogen eine kleine Lektion in Sachen Umgangsformen, Höflichkeit und gutes Miteinander mitgibt. Auch das ist eher ungewöhnlich für SciFi jenseits des Enterprise-Universums von Gene Roddenberry, aber ein sehr willkommenes Stilmittel. Eine nochmalige Steigerung erfährt die Sprache Lukianenkos in der Hörbuchfassung durch den (wie immer) exzellenten Vortrag von David Nathan. Er ist es auch, der die vielen philosophischen Aspekte, die in der Handlung Platz finden, glaubwürdig transportiert. Von der ausführlichen Beschreibung der Zubereitung von russischen Spezialitäten bis hin zu den ganz großen Religionsthemen – Sergej Lukianenko möchte uns mit seinem Buch viel sagen. Und David Nathan sort dafür, dass wir auch zuhören …

Was „Spektrum“ nicht ist:
Eine Weltraumoper mit vielen Schlachten, glorreichen Helden und verworrener Action-Story.

Was „Spektrum“ ist:
Eine tiefgehende Betrachtung unserer Existenz, verwoben in einer spanenden Geschichte und vorzüglich erzählt.

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„Spektrum“, als Hörbuch erschienen bei der Hörverlag als MP3-CD
Foto: CC0, © Bryan Minear / unsplash
Das Rezensions-Exemplar stammt aus dem privaten Fundus.
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